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In letzter Zeit habe ich den Eindruck, dass insbesondere in allgemeinen Katzenforen die Hypertrophe Kardiomyopathie (HCM oder HKM) immer häufiger thematisiert wird. Bei der HCM handelt es sich um eine Herzkrankheit der Katze, die überwiegend zum vorzeitigen Tod führt. Internetforen bieten nicht die Möglichkeit, dieses komplexe und sensible Thema umfassend zu erläutern. Daher habe ich beschlossen, diesen Informationstext zu verfassen. Im Wesentlichen möchte ich meine Meinung und meine Regeln für meine Katzenzucht schildern und alle Leser dieses Textes, egal ob Züchter und Liebhaber, zum Nachdenken über die HCM anregen. Zum Verständnis meiner Gedanken halte ich es für wichtig, einige wenige Sätze über die HCM selbst zu schreiben und für weitere Informationen auf empfehlenswerte Seiten im Internet zu verweisen.
Krankheitsbild Die "Hypertrophe Kardiomyopathie" (HKM, engl. „hypertrophic cardiomyopathy“ = HCM) ist eine Verdickung des Herzmuskels. Die Muskulatur des Herzens wächst in den Kammerinnenraum. Das Herz kann nicht mehr ausreichend Blut aufnehmen. Es kommt zu einem Blutstau. Herzversagen, Thrombosen und der plötzliche Herztod sind möglichen Folgen der HCM.
Allgemein wird zwischen den primären und sekundären Ursachen der Hypertrophie unterschieden. Die sekundäre Hypertrophie entwickelt sich als Folge einer anderen Krankheit, die einen erhöhten Blutdruck zur Folge hat. Hierzu gehört u. a. das chronische Nierenversagen (CNI). Die Katze stirbt i. d. R. nicht an HCM selbst, sondern an der die HCM verursachenden Krankheit. Als primäre HCM wird ein vererbbarer genetischer Defekt bezeichnet, der sich in der Verdickung des Herzmuskels äußert. Mit dem genetischen Defekt lebt ein betroffenes Tier von Geburt an. Dagegen verdickt sich der Herzmuskel selbst i. d. R. bis zum sechsten Lebensjahr. Der Verlauf der primären HCM führt zumeist zu einem sehr qualvollen Tod der Katze. Ausführliche Informationen zum Thema HCM können Sie bei Pawpeds sowie im HCM-Forum finden.
Diagnose Zur Diagnose der HCM werden aktuell Gentests und die Ultraschall-Untersuchung diskutiert. Es ist sehr schnell einzusehen, dass ein Gentest nicht geeignet ist, die sekundäre Hypertrophe (HCM) zu erkennen. Ebenso kann HCM bei negativem Gentest nicht ausgeschlossen werden, weil die DNA bisher nur an Maine Coon untersucht wurde und nicht auf alle anderen Rassen übertragen werden kann. Somit bleibt als in Fachkreisen einzig anerkannte Diagnoseform der echocardiographische Test, besser bekannt als Ultraschall-Untersuchung. Durch diese Untersuchung können Herzmuskel, Herzschlag und Blutfluss angeschaut und gemessen werden. Untersuchung, Messung und Interpretation der Ergebnisse sind von einem Spezialisten (hier: zertifizierter Tierarzt) durchzuführen.
Diagnose nach dem Tod Gibt es keinen offensichtlichen Grund für den Tod einer Katze, ist es vor allem bei Zuchttieren empfehlenswert über eine pathologische Untersuchung die Todesursache ermitteln zu lassen. Die pathologische Untersuchung sollte auch eine Analyse des Herzens auf eine mögliche HCM enthalten. Weil der Tod immer während einer Systole, der Anspannungs- und Auswurfphase des Herzens eintritt, ist bei einem toten Herz immer nur Muskel, aber keine Kammer zu sehen. Das tote Herz sieht immer so aus, als habe es einen verdickten Herzmuskel. In der Praxis kommt es daher häufig vor, dass eine HCM als Todesursache diagnostiziert wird, obwohl sie gar nicht vorliegt. Eine HCM kann jedoch sehr zuverlässig anhand des Gewichts oder der Anordnung des Muskelgewebes diagnostiziert werden. Ein normales Herz wiegt bis ca. 20 g. Wegen des hohen Muskelanteils wiegt dagegen ein an HCM erkranktes Herz 30 g oder mehr. Mit einer Übersichtsfärbung, der H.E.-Färbung (Haematoxylin-Eosin-Färbung nach Mayer), kann der Pathologe die Anordnung des Muskelgewebes anhand einer Gewebeprobe (Histologie) erkennen. Verlaufen die Muskelfasern nicht diagonal zueinander, sondern sind durcheinander angeordnet, liegt ein genetischer Defekt vor (= HCM).
Tierarzt Während des Studiums der Tiermedizin wird das Thema Ultraschalldiagnostik nur angeschnitten und nicht ausführlich behandelt. Tierärzte können sich über aufwendige Zusatzqualifikationen fortbilden und auf Ultraschalldiagnostik spezialisieren. Genauso ist es notwendig sich kontinuierlich neueste wissenschaftliche Erkenntnisse über Weiterbildungsmaßnahmen anzueignen und entsprechende zugelassene Geräte mit Farbdoppler für die Untersuchung anzuwenden. Gerade bei der HCM ist es sehr wichtig, z. B. den richtigen Schallkopf zu verwenden und diesen in richtiger Position anzulegen. Jeder zertifizierte Tierarzt ist in der Lage, an einem HCM erkrankten Tier zu zeigen, wie durch falsches Anlegen des Schallkopfes Messergebnisse erreicht werden, die einem gesunden Tier entsprechen. Etwas zugespitzt ließe sich die Frage auch so beantworten: Menschen werden auch von ihrem Hausarzt an ausgebildete Fachärzte überwiesen, wenn eine sehr spezielle Diagnose erstellt werden muss.
In Deutschland setzt sich vor allem der Collegium Cardiologicum e. V. für eine standardisierte und qualifizierte Untersuchung erblicher Herzerkrankungen ein. Die Mitglieder des Vereins werden allgemein als zertifizierte Tierärzte für HCM-Ultraschall-Untersuchungen anerkannt. Meine Kardiologen des Vertrauens sind Dr. Ralf Tobias in Hannover und Dr. Jan‑Gerd Kresken in Duisburg.
Therapie Für eine an HCM erkrankte Katze wird vom Tierarzt eine dem Stadium der Erkrankung des Tieres angepasste Therapie entworfen und angewendet. Wie und wie lange eine Katze mit HCM weiter leben kann, hängt vom Fortschritt der Erkrankung, evtl. auftretenden Komplikationen und vor allem vom Wirken der verabreichten Medikamente ab. Je früher bei einer Katze HCM diagnostiziert wird, desto größer ist die Chance, dass die Katze mit Hilfe der Medikamente über viele Jahre hinweg leben kann. Unbestritten ist aber auch, dass HCM nicht geheilt werden kann.
Vorbeugung und Vermeidung durch Veröffentlichung Die sekundäre HCM kann verhindert werden, indem wir den Krankheiten vorbeugen, die sie verursachen. Auf diese Krankheiten möchte ich in dieser HCM Informationsschrift jedoch nicht weiter eingehen. Die primäre HCM wird, wie eingangs bereits erwähnt, durch einen genetischen Defekt verursacht. Die einzig wirkungsvolle Vorbeugung besteht also darin, an HCM erkrankte Tiere und deren Verwandte (z. B. Geschwister, Eltern, Kinder) nicht in der Zucht einzusetzen. Das setzt mindestens voraus, dass Zuchttiere auf HCM untersucht und die Untersuchungsergebnisse öffentlich gemacht werden. I. d. R. wird vom Tierarzt bei einer HCM-Ultraschall-Untersuchung ein einheitliches Formular verwendet, um die Untersuchungsergebnisse zu dokumentieren. Die bekanntesten Adressen veröffentlichter HCM-Untersuchungsergebnisse sind http://www.hcmtest.com und http://www.pawpeds.com.
http://www.hcmtest.com unterscheidet zwischen verschiedenen Katzenrassen und veröffentlicht HCM-Untersuchungsergebnisse aller Ärzte, also auch nicht zertifizierter Ärzte. Darüber hinaus werden auch Untersuchungsergebnisse anderer Krankheiten veröffentlicht. Die Seite bietet eine statische tabellarische Auflistung je Rasse. Ein gezieltes Suchen ist hier nicht gut möglich.
http://www.pawpeds.com unterscheidet ebenfalls zwischen verschiedenen Katzenrassen und bietet vor allem, wie der Name schon sagt, eine Übersicht über einzelne Zuchtlinien. Zu den erfassten Tieren werden auch HCM-Untersuchungsergebnisse erfasst. Die Seite basiert auf einer Datenbank und ermöglicht ein einfaches Suchen und Navigieren über viele Generationen hinweg. Es werden ausschließlich HCM-Untersuchungsergebnisse von Tierärzten veröffentlicht, die sich im jeweiligen Gesundheitsprogramm registriert haben. Verantwortungsvolle Züchter lassen ihre Untersuchungsergebnisse durch den behandelnden Tierarzt hier melden. Die Seite wird von den meisten Katzenzüchtern anerkannt.
Theoretisch sind also alle Voraussetzungen gegeben, HCM an Katzen zu erkennen und diese Informationen allen interessierten Menschen zur Verfügung zu stellen. Bedauerlicherweise sieht die Praxis ein klein wenig anders aus.
Umstrittene Praxis Viele Züchter lassen ihre Katzen gar nicht auf HCM untersuchen. Sie begründen dieses Verhalten damit, dass sie ihre Zuchtlinien über mehrere Generationen kennen und diese Tiere gesund aussehen und leben. Dieses Verhalten ist relativ verantwortungslos den Tieren gegenüber, weil HCM eben nicht an Äußerlichkeiten erkannt werden kann. Ebenso kann ein vermeintlich natürlicher Tod eigentlich eine nicht diagnostizierte HCM als Ursache haben. Andere argumentieren damit, dass es sich bei der Ultraschalluntersuchung nur um eine Momentaufnahme handelt, die eine HCM-Erkrankung über das gesamte Leben nicht diagnostizieren kann. Diese Aussage für sich alleine genommen ist zwar richtig, daraus jedoch abzuleiten, keine Untersuchungen durchzuführen, trägt nicht zur Gesundheit unserer Lieblinge bei. Im Gegenteil: Dass eine Untersuchung allein, die HCM nicht auf Lebenszeit ausschließt, bestätigt die Notwendigkeit regelmäßiger Untersuchungen. Einige Züchter wiederum lassen ihre Katzen bei nicht zertifizierten Ärzten untersuchen. Das kann zu falschen Untersuchungsergebnissen führen. Wahrscheinlichste Ursache für dieses Verhalten sind die bis zu 50% geringeren Kosten gegenüber der Untersuchung durch einen zertifizierten Tierarzt. Völlig zu Recht ist die Veröffentlichung und Anerkennung dieser Untersuchungsergebnisse umstritten. Nicht unerwähnt lassen, möchte ich die Züchter, die bei diagnostizierter HCM der Veröffentlichung der Untersuchungsergebnisse widersprechen. Wahrscheinlichste Ursache hierfür ist die Angst davor einen „schlechten Ruf“ zu erhalten und keine Interessenten für Kitten zu finden. Dieses Verhalten verurteile ich zutiefst, weil hier ganz bewusst nicht zum Wohl unserer Lieblinge gehandelt wird.
Deutschland und HCM Züchter, die offen und ehrlich mit HCM umgehen und damit die weitere Verbreitung dieser tödlich verlaufenden Erbkrankheit einschränken, sind in Deutschland leider noch zu wenig anerkannt. Es wird sicherlich noch einige Zeit brauchen bis sich auch in Deutschland die Erkenntnis durchgesetzt hat, dass von der HCM eine ernsthafte Bedrohung für unsere Katzen ausgeht und dass alle Züchter und Liebhaber gemeinsam gegen diese Krankheit kämpfen müssen. Es ist bedauerlich, aber durchaus Praxis, dass es Züchter gibt, denen der kommerzielle Erfolg einer Zucht wichtiger als die Gesundheit der Tiere ist. Züchter in anderen Ländern, wie zum Beispiel Niederlande, sind Deutschland beim Thema HCM in der Katzenzucht um etliche Jahre voraus.
Züchter und HCM Eine unerfreuliche, aber realistische Tatsache soll an dieser Stelle in aller Deutlichkeit formuliert werden: Kein Züchter kann dafür garantieren, dass seine Kitten keine HCM entwickeln werden. Eine nahezu sichere, praktisch aber niemals realisierbare Möglichkeit HCM auszuschließen besteht darin, nur mit HCM negativ getesteten und mindestens sieben Jahre alten Tieren zu züchten. Züchter beugen einer weiteren Verbreitung der HCM dann hinreichend vor, wenn sie sich an die allgemein anerkannten Empfehlungen zur HCM-Untersuchung halten. Für mich bedeutet das: Katzen und Kater sind vor dem ersten Deckakt bei einem zertifizierten Tierarzt auf HCM untersuchen zu lassen. Gehen wir davon aus, dass ein Kater regelmäßig mehrfach im Jahr deckt und eine Katze einmal pro Jahr gedeckt wird, empfehle ich die Tiere jährlich auf HCM untersuchen zu lassen. Falls Katzen seltener gedeckt werden, ist es sicherlich auch hinreichend, die Untersuchung auf HCM vor jedem Deckakt durchzuführen. Werden Kater und Katzen, eventuell auch durch Kastration, nicht mehr zur Zucht eingesetzt, empfehle ich dennoch weitere Untersuchungen auf HCM bis zum siebten Lebensjahr. Die Untersuchungen sind auch auszuführen, wenn die Katze in den Besitz eines Liebhabers wechselt. Es empfiehlt sich bereits im Kaufvertrag zu vereinbaren wie oft und in welcher Qualität Untersuchungen auf HCM durchzuführen sind, wie mit den Untersuchungsergebnissen umgegangen wird und wer die Kosten der Untersuchung trägt. Wird bei einem Tier tatsächlich HCM diagnostiziert sind hieraus die richtigen, wenn auch für den Züchter sicherlich unangenehmen, Schlussfolgerungen zu ziehen. Mit dem Tier und seinen direkten Verwandten (z. B. Eltern, Geschwistern, Kinder) darf nicht mehr gezüchtet werden. Wurden Nachkommen aus der Zucht an Liebhaber abgegeben, gehört es zum guten Ton, sie auf das erhöhte Risiko einer HCM-Erkrankung hinzuweisen. Nur so haben Liebhaber die Chance, die Notwendigkeit regelmäßiger HCM-Untersuchungen neu zu bewerten, eine HCM frühzeitig zu erkennen und dem Tier durch Medikamente ein der Krankheit angepasstes Leben zu ermöglichen. Neben der Sorge um die Gesundheit des erkrankten Tieres hat die HCM i. d. R. auch erhebliche finanzielle Folgen. Kosten für weitere Untersuchungen und Medikamente fallen sowohl beim Züchter als auch beim Liebhaber an. Für den Züchter bedeutet es jedoch auch, dass er ein oder mehrere Zuchttiere nicht mehr einsetzen kann. Neue geeignete Zuchttiere müssen aufwendig gesucht und für relativ viel Geld erworben werden. An dieser Stelle wird nochmals deutlich, dass die oben genannten Argumente gegen HCM-Untersuchungen mehr als fraglich sind. In Deutschland ist der Anteil der regelmäßig HCM untersuchenden Züchter relativ gering. Auseinandersetzungen über HCM werden kontrovers geführt. Ohne die Unterstützung der Liebhaber werden wir in Deutschland keine flächendeckende HCM-Vorbeugung in Katzenzuchten durchsetzen können.
Liebhaber und HCM Im Internet sind bereits heute einige Katzenliebhaber aktiv, die im Besitz HCM erkrankter Tiere sind oder leider waren. Zum Teil müssen sie zusehen, wie die Züchter ihrer Tiere rücksichtslos, ignorant und in Einzelfällen drohend auf die Diagnose bzw. deren Veröffentlichung reagieren. Tiere aus den betroffenen Linien werden weiter zur Zucht eingesetzt. Die betroffenen Liebhaber haben sich zum Ziel gesetzt, andere Liebhaber und Interessenten vor und nach dem Kauf einer Rassekatze mit Hilfe ihrer eigenen und der Erfahrung anderer zu beraten. Liebhaber und Interessenten wird empfohlen, sich nicht von der zahlenmäßig größeren Lobby nicht HCM untersuchender Züchter einschüchtern und verunsichern zu lassen. Kaufen Sie nur Katzen aus Zuchten, die Ihnen die Untersuchungsergebnisse der Elterntiere, besser auch noch weiterer Generationen, offen legen und bereit sind, ausführlich über HCM allgemein und die Untersuchungsergebnisse speziell Auskunft zu geben. Auch wenn wir hier über unsere lebenden Lieblinge reden: Den marktwirtschaftlichen Regeln kann sich kein Züchter entziehen. Besteht eine verringerte oder keine Nachfrage nach nicht HCM untersuchten Kitten, werden immer mehr Züchter gezwungen, das Thema HCM in ihrer Zucht neu zu bewerten und der Anteil HCM untersuchter Elterntiere wird automatisch zunehmen.
Zampino's und HCM Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass ich diese Untersuchungen für meine Tieren mache. Ich liebe sie und möchte, dass sie ein langes und gesundes Leben mit mir oder bei ihren neuen Besitzern, ob Liebhaber oder Züchter, verbringen können.
Ich habe den hier vorliegenden Text nach bestem Wissen und Gewissen recherchiert und formuliert. Fragen oder Anregungen zu meinen Ausführungen sind willkommen.
Abschließend sei noch der Vollständigkeit halber erwähnt, dass HCM alleine nicht über Erfolg oder Misserfolg einer Zucht entscheidet. Auch weitere Zuchttauglichkeitsuntersuchungen hinsichtlich Gesundheit und Rassestandard spielen hierbei eine wesentliche Rolle. Darüber wird an dieser Stelle jedoch nicht weiter berichtet. Dieser Text hat ausschließlich das Thema HCM zum Inhalt.
Texte und Bilder unterliegen meinem Copyright, falls nicht anders angegeben!!!
Anlagen:
hcminfotext.pdf | [HCM - Eine Krankheit spaltet die Züchterwelt] | 48 Kb | 06.09.2009 21:19 |
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